Bilharziose (Schistosomiasis)

Schistosomiasis, auch Bilharziose genannt, wird durch parasitisch lebende Würmer (Egel) verursacht. Der komplizierte Lebenszyklus dieser Egel benötigt eine besondere Art von Süßwasserschnecken, in denen die Egel einen Teil ihrer Entwicklung vollziehen. Das heißt, dass Schistosomiasis nur dort vorkommt, wo auch diese Schnecken leben. Infizierte Schnecken geben eine große Menge von Wurmlarven ins Wasser ab, diese suchen sich dann ein „Opfer“. Die Larven sind imstande, gesunde Haut zu durchdringen, und kommen so in den menschlichen Körper. Selbst kurzer Kontakt mit infiziertem Süßwasser beim Baden, Waten oder Schwimmen genügt für eine Infektion. Die Larven sind so klein, dass man sie mit freiem Auge nicht erkennt, manchmal spürt man direkt nach dem Baden einen leichten Juckreiz.

Aus den Larven, die erfolgreich in den Körper eingedrungen sind, entwickeln sich die erwachsenen Würmer, die je nach Schistosomenart in der Nähe der Harnblase oder der Leber leben.  Auch wenn es keine sehr angenehme Vorstellung ist, solche „Mitbewohner“ zu haben – die erwachsenen Würmer selbst verursachen keine Krankheitssymptome. Die Probleme und Gefahren der Erkrankung entstehen durch die Eier, die in großen Mengen gelegt werden. Eigentlich sollten diese Eier durch den Darm oder mit dem Harn ins Freie gelangen und so das Fortbestehen der Würmer sichern. Viele erreichen diese Ziel jedoch nicht, bleiben im Gewebe stecken und sterben ab. Es ist die körpereigene Entzündungsreaktion auf diese absterbenden Eier, die die gefürchteten Folgen der Schistosomiasis verursacht.

Vorkommen

Die Erkrankung findet sich weltweit in warmen Klimata, bis zu 200 Millionen Menschen sind betroffen! Besonders häufig ist sie in Afrika südlich der Sahara, in vielen Gegenden Asiens und in Brasilien konnte sie durch rigorose Kontrollprogramme stark zurückgedrängt werden.

Symptome

Eintrittsphase: Unter Umständen leichter Juckreiz direkt nach dem Schwimmen.
Eine ähnliche Symptomatik gibt es auch in Europa - Badedermatitis oder Zerkariendermatitis genannt. Sie wird durch Larven von Schistosomenarten verursacht, die bei Vögeln parasitieren. Beim Menschen sterben die Larven kurz nach Durchdringen der Haut ab, können sich also NICHT zu Würmern entwickeln. Sie verursachen lediglich einen lästigen, stark juckenden Hautausschlag.

Akutphase: Einige Wochen nach Infektion durch die Haut beim Schwimmen kommt es bei manchen Menschen zu einer Akutreaktion, dem so genannten Katayama-Fieber. Hohes Fieber, starkes Krankheitsgefühl, Bauchschmerzen, Gelenksschmerzen. Die Symptome verschwinden auch ohne Behandlung nach einigen Tagen wieder. Bei vielen infizierten Personen tritt diese Phase gar nicht auf.

In dieser Phase der Erkrankung lassen sich noch keine Wurmeier nachweisen, auch die Antikörperbestimmung kann noch negativ verlaufen. Lediglich eine hohe Zahl an so genannten eosinophilen Granulozyten (eine spezielle Art von weißen Blutkörperchen) legt den Verdacht auf eine parasitische Erkrankung nahe.

Chronische Erkrankung: Die entzündliche Reaktion auf abgestorbene Eier und die daraus resultierenden Vernarbungen können über Jahre zu schweren Funktionsstörungen der betroffenen Organe führen. Im Darm äußert sich das mit der Ausbildung von Schleimhautwucherungen und blutigen Durchfällen, in der Leber mit Symptomen wie bei einer Leberzirrhose, im Harntrakt mit Entzündungen, narbigen Verengungen der Harnleiter und einem erhöhten Risiko für Harnblasenkrebs.

All diese Spätfolgen finden sich praktisch ausschließlich bei Menschen, die in den Endemiegebieten leben und nicht bei Touristen, wahrscheinlich sind viele wiederholte Infektionen über Jahre dafür nötig. Infektionen bei Touristen sorgen eher mit dramatischen Einzelberichten für Schlagzeilen. An manchen Stellen unseres Körpers kann auch ein einziges fehlgeleitetes Schistosomenei zur Katastrophe führen. So wurde über Lähmungen durch entzündliche Schwellung im Rückenmark oder im Gehirn berichtet.

Diagnose

Ab etwa 3 Monaten nach der Ansteckung finden sich die Eier der Schistosomen im Harn oder Stuhl. Geschulte Labors können so die Infektion zweifelsfrei nachweisen.
Auch ein serologischer Nachweis (Antikörperbestimmung - Blutabnahme) ist ab diesem Zeitpunkt möglich und bei Reisenden sinnvoll und recht verlässlich.

Vorbeugung

Gegen Schistosomiasis gibt es weder eine Impfung noch eine medikamentöse Vorbeugung. Es bleibt also nur das Vermeiden einer Ansteckung. Da es keine verlässliche Möglichkeit gibt, befallene Gewässer zu erkennen, muss Süßwasser in den Verbreitungsgebieten der Schistosomiasis generell gemieden werden. Salzwasser und chlorierte Pools sind ungefährlich. Gelegentlich wird empfohlen, sich nach potentiellem Kontakt mit Larven kräftig abzufrottieren. Auf diese Weise können tatsächlich Larven, die noch nicht völlig eingedrungen sind, abgerieben werden – bei ungewolltem Wasserkontakt also auf jeden Fall wichtig. Als Vorbeugemaßnahme ist es jedoch auf keinen Fall sicher genug!

Falls Sie während des Urlaubs mit Schistosomen in Kontakt gekommen sein könnten, sollten Sie ca. 3 Monate nach Ihrer Rückkehr eine Screening- Untersuchung machen lassen (Antikörpertest).

Therapie

Es steht ein sicheres und wirksames Mittel zur Behandlung der Schistosomiasis zur Verfügung. In den meisten Fällen genügt eine eintägige Kur. In vielen Fällen kommt es sogar zu einer gewissen Besserung der Spätschäden.

Vor allem in Afrika ist die Bilharziose noch häufig und nimmt durch Bewässerungsprojekte und Migration sogar zu.

Leider eine sichere Adresse für Bilharziose: Lake Malawi